Gehaltsverhandlungen als Berufseinsteiger – ein paar Tipps

Gehaltsverhandlungen als Berufseinsteiger – ein paar Tipps

Ist die Berufsausbildung abgeschlossen, das Studium beendet oder ein Trainee-Programm durchlaufen, stehen mit dem ersten Arbeitsverhältnis oft auch die ersten Verhandlungen um das eigene Gehalt auf dem Programm. Was selbst erfahrenen Arbeitnehmern meist nicht leicht fällt, ist für Berufseinsteiger eine noch größere Herausforderung. Wer spricht schließlich schon gerne über Geld? Doch bei einem souveränen Auftritt kommt es auf jedes Wort und jede Geste an.

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Gehaltsverhandlungen als Berufseinsteiger - ein paar Tipps

Wir geben ein paar Tipps, um Gehaltsverhandlungen als Berufseinsteiger erfolgreich zu meistern!:

Die Eckdaten für das Gehalt

Wie hoch ein Gehalt ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Um sich eine erste Orientierung für die Verhandlungsbasis zu verschaffen, kann sich der Berufseinsteiger in Online-Gehaltsrechnern informieren.

Sie sind über Suchmaschinen einfach zu finden und zeigen auf, in welcher Größenordnung der Berufseinsteiger sein Wunschgehalt ungefähr ansetzen kann.

Allerdings genügt es nicht, wenn der Berufseinsteiger im Verhandlungsgespräch einfach nur irgendeine Zahl in den Raum stellt. Entscheidend ist vielmehr, dass er schlüssig erklären kann, warum er dieses Gehalt für angemessen hält. Dabei wiederum sollte er wissen und berücksichtigen, wonach sich hierzulande ein Gehalt bemisst.

Eine der wesentlichen Grundlagen für die Gehaltsklasse ist die Qualifikation. Als Faustregel gilt, dass ein umso höheres Gehalt möglich ist, je höher der Berufsabschluss ist.

Hat sich der Berufseinsteiger im Zuge seiner Ausbildung zum Beispiel auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert, zusätzliche Qualifikationen erworben oder den Techniker bzw. Meister angehängt, wird seine Gehaltseinstufung höher sein als nach einer reinen Basisausbildung.

Ein weiterer Faktor ist der Wohnort. Je nach Bundesland und Region sind die Gehaltsstrukturen verschieden. In Großstädten und Ballungsgebieten, in denen sich viele große Firmen niederlassen, sind die Gehälter höher als in ländlichen Regionen.

Wer in Hamburg, Frankfurt am Main oder Stuttgart arbeitet, verdient mehr als jemand, der in der gleichen Branche und einer ähnlichen Position in Gotha oder Saarbrücken tätig ist.

Daneben spielt die Größe des Unternehmens eine Rolle. Experten teilen Betriebe dabei in drei Kategorien ein, nämlich in Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern, mit 101 bis 500 Beschäftigten und mit mehr als 500 Angestellten.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigen üblicherweise die Gehälter. Ein Mitarbeiter in einem großen Konzern verdient also meist mehr als ein Angestellter in einem kleinen Familienbetrieb.

Tipps für die Gehaltsverhandlungen als Berufseinsteiger

Sehr viele Unternehmen haben feste Einkommenstabellen, die sich zudem oft nach geltenden Tarifverträgen richten. Ein gewisser Spielraum kann zwar vorhanden sein, aber wie hoch das Arbeitsentgelt ausfallen wird, steht im Prinzip vorher schon fest. Trotzdem fragt ein Personaler im Verlauf des Vorstellungsgesprächs oder spätestens im Einstellungsgespräch gerne: „Welches Gehalt schwebt Ihnen denn so vor?“

Bei dieser Frage geht es nicht nur um eine Zahl. Der Personaler will auch herausfinden, wie souverän der Berufseinsteiger reagiert und ob er den Wert seiner Arbeit realistisch einschätzen kann.

Hat sich der Berufseinsteiger im Vorfeld über branchenübliche Gehälter in der Region informiert, kann er eine Größenordnung beziffern.

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Wichtig bei den Verhandlungen ist aber, dass der Berufseinsteiger nicht mit dem Durchschnitt argumentiert. Er sollte also nicht erklären, dass er sich das Einkommen vorstellt, das in der Branche üblich ist.

Genauso sollte er seinen Gehaltswunsch nicht mit seinem Lebensunterhalt begründen. Wie viel Geld er braucht, um über die Runden zu kommen, interessiert den Personaler nicht.

Stattdessen sollte sein Argument der Mehrwert sein, den der Berufseinsteiger dem Unternehmen bringt. Die abgeschlossene Ausbildung, mögliche Zusatzqualifikationen und die persönlichen Stärken des Berufseinsteigers sind die Punkte, von denen das Unternehmen profitiert und die eine angemessene Vergütung wert sind.

Den Gehaltswunsch clever formulieren

Eine gründliche Recherche über branchenübliche Gehälter ist auch deshalb wichtig, weil der Berufseinsteiger bei realistischen Forderungen bleiben sollte. Er tut sich keinen Gefallen damit, wenn er sich unter Wert verkauft. Andersherum können die Verhandlungen schnell ins Auge gehen, wenn er zu hoch pokert.

Hilfreich kann sein, wenn der Berufseinsteiger zu einem kleinen Kniff aus der psychologischen Trickkiste greift. So sollte er als Gehaltswunsch keine gerade, sondern eine krumme Zahl nennen.

Möchte er zum Beispiel ein Jahresgehalt von rund 30.000 Euro haben, kann er mit 29.500 Euro einsteigen. Die ungerade Zahl vermittelt, dass der Berufseinsteiger genau weiß, wie viel seine Arbeitsleistung wert ist. Gleichzeitig wirkt die schiefe Summe kompetenter als eine glatt aufgerundete Zahl.

Lässt sich der Personaler auf Verhandlungen ein, sollte der Berufseinsteiger nicht gleich beim ersten Vorschlag zuschnappen. Denn zum einen kommt es nicht besonders souverän rüber, wenn der Berufseinsteiger bei finanziellen Fragen sofort einlenkt.

Und zum anderen sollte er im Hinterkopf behalten, dass das Einstiegsgehalt den Grundstein für die weitere Karriere in diesem Unternehmen legt. Es lohnt sich deshalb, um kleine Extras zu feilschen. Immerhin kann es dauern, bis die nächste Gehaltserhöhung kommt.

Gute Zeitpunkte für eine Gehaltsverhandlung

Das Einstiegsgehalt ist nicht in Stein gemeißelt. Gilt für das Arbeitsverhältnis ein Tarifvertrag, führt die zunehmende Berufserfahrung automatisch dazu, dass der Berufseinsteiger mit den Jahren höher eingruppiert wird und dadurch mehr verdient.

In der freien Wirtschaft und außerhalb von Tariflöhnen hingegen muss sich der Berufseinsteiger selbst um eine Gehaltserhöhung kümmern.

Wann es angemessen ist, das Gehalt nachzuverhandeln, lässt sich pauschal nicht sagen. Wichtiger als ein Zeitraum ist die Rolle im Betrieb. Hat der Berufseinsteiger seine Kenntnisse stetig ausgebaut, seine Fähigkeiten verbessert, weitere Qualifikationen erworben oder zunehmend mehr Verantwortung übernommen, ist sein Mehrwert für das Unternehmen gestiegen. Das sollte auch den Arbeitgeber davon überzeugen, das Gehalt anzuheben.

Ein guter Zeitpunkt für Gehaltsverhandlungen ist dann das Frühjahr. Denn wenn sich der Herbst nähert, ist vom Budget oft nicht mehr allzu viel übrig.

Auch der Abschluss eines Großauftrags, ein erfolgreiches Projekt oder ein besonderer Unternehmenserfolg kann eine gute Gelegenheit bieten, um ein höheres Gehalt anzusprechen.

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Mareike Dietzbach, 46 Jahre alt, Personalerin und Ausbilderin, sowie Simon Schneider, geboren 1981, Ausbilder und Bewerbungstrainer und Christian Gülcan als betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Ausbildung, Berufe, Praktikum, Berichtsheftführung mit vielen Tipps und Ratgebern für Auszubildene, Schüler und Umschüler, Studenten und Jobsuchende.

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