Tipps für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz
Wenn sich das Schuljahr allmählich dem Ende nähert und die Schulabschlussprüfungen immer näher rücken, beginnt regelmäßig die Zeit, in der sich angehende Azubis auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz machen. Für viele sind es dann auch die ersten richtigen Bewerbungen, die sie in diesem Zuge schreiben.

Um sich zu orientieren und sich den einen oder anderen Tipp abzuschauen, wird gerne auf Ratgeber und Vorlagen aus dem Internet oder aus Büchern zurückgegriffen.
Die meisten dieser Bewerbungsmuster sind aber für Bewerber gedacht, die sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Für angehende Azubis sind sie letztlich nicht geeignet.
Der folgende Beitrag erklärt, warum das so ist – und verrät Tipps für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz:
Inhalt
- 1 Warum herkömmliche Bewerbungsvorlagen nur bedingt weiterhelfen
- 2 Worauf es bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ankommt
- 3 3 schnelle Tipps für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz
- 4 Ganz Konkrete Tipps für die Bewerbung auf eine freie Lehrstelle
- 4.1 Online-Bewerbung: So wirkt deine Mappe auch digital ordentlich
- 4.2 Betreff & E-Mail-Text (bei E-Mail-Bewerbungen):
- 4.3 Zeugnisse & Nachweise: Qualität schlägt Masse
- 4.4 „Nicht die besten Noten?“ – So zeigst du trotzdem Stärke
- 4.5 Hobbys in Soft Skills übersetzen (mit Mini-Beispielen)
- 4.6 Zeitplan: Von der Suche bis zum Gespräch
- 4.7 Einstellungstest & Gespräch: So bereitest du dich schlau vor
- 4.8 Social-Media-Check: Dein Profil, dein Auftritt
- 4.9 Formulierungen für Azubi-Anschreiben (kurz & persönlich)
- 4.10 Für Minderjährige: Formalien kurz im Blick
- 4.11 Barrierearme, klare Gestaltung – hilfreich für alle
- 4.12 Mini-Checkliste
- 4.13
- 4.14 Ähnliche Beiträge
Warum herkömmliche Bewerbungsvorlagen nur bedingt weiterhelfen
Natürlich ist es verständlich, wenn sich ein angehender Azubi an Bewerbungsvorlagen aus dem Internet oder aus Büchern orientiert.
Schließlich hat er meist wenig Erfahrung beim Schreiben von Bewerbungen und weiß womöglich nicht so genau, worauf es ankommt und was alles in eine Bewerbung gehört.
Allerdings werden ihm Bewerbungsmuster, die für Arbeitnehmer gedacht sind, nicht unbedingt weiterhelfen.

Dafür gibt es im Wesentlichen vier Gründe:
- Im Unterschied zu einem Arbeitnehmer kann sich ein angehender Azubi normalerweise weder auf berufliche Qualifikationen und Fachwissen noch auf Berufspraxis berufen. Von einem angehenden Azubi wird aber auch nicht erwartet, dass er mit seinem Fachwissen und seiner praktischen Erfahrung überzeugt.
Bei ihm kommt es stattdessen vielmehr auf seine Motivation für den Ausbildungsberuf, auf seine individuellen Stärken und auf ihn als Person an.
Daher sollten dies die Schwerpunkte bilden, auf denen sich die Bewerbung aufbaut.
- Musterbewerbungen für Arbeitnehmer enthalten oft bestimmte Textbausteine und Standardformulierungen. Hinzu kommt ein eher eleganter, glatt geschliffener Sprachstil. Ein junger Erwachsener, der gerade die Schule beendet hat, würde sich so aber vermutlich nicht ausdrücken. Zudem geht die individuelle Note verloren, aber genau sie ist bei einer Bewerbung sehr wichtig.
Personaler ziehen persönliche Formulierungen im eigenen Stil grundsätzlich vor. Natürlich muss die Sprache verständlich sein und darf nicht zu sehr in die Umgangssprache abrutschen.
Doch wenn der Bewerber in seinen eigenen Worten schildert, warum er den Ausbildungsplatz möchte, kann er wesentlich mehr Pluspunkte sammeln und überzeugender auftreten als durch vorgefertigte, oft nichtssagende Standard-Textbausteine.
- Bei Bewerbungen für Arbeitnehmer liegt der Fokus auf dem bisherigen Werdegang. Deshalb werden Hobbys und private Interessen oft komplett weggelassen oder nur ganz am Rande erwähnt. Ein angehender Azubi kann aber genau mit solchen Infos punkten.
Natürlich sollte er auch auf gute schulische Leistungen, absolvierte Praktika und Neben- oder Ferienjobs eingehen. Aber die Hobbys und persönlichen Interessen sollten ebenfalls nicht unter den Tisch fallen.
Der Personaler kann sich so nämlich ein besseres Bild vom Bewerber machen und außerdem weitere Stärken und Fähigkeiten, die sogenannten Soft Skills, daraus ableiten.
- Arbeitnehmer, die sich um einen Job bewerben, sollten selbstbewusst auftreten. Schließlich haben sie dem Unternehmen auch etwas zu bieten. Angehende Azubis dürfen zwar auch selbstbewusst sein, sollten sich aber insgesamt etwas zurücknehmen.
Sie haben nämlich noch keine Karriere hinter sich und auch sonst meist keine besonderen Leistungen vorzuweisen, die ein zu sehr von sich überzeugtes Auftreten begründen würden.

Worauf es bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz ankommt
Eigentlich ist es gar nicht so schwer, eine überzeugende Bewerbung für einen Ausbildungsplatz zu verfassen.
So ist der Bewerber auf einem guten Weg, wenn er durch seine Bewerbung die folgenden Fragen beantwortet:
- Warum möchte ich gerade diesen Ausbildungsberuf ergreifen?
- Warum möchte ich meine Ausbildung bei diesem Unternehmen absolvieren?
- Was bringe ich mit und was zeichnet mich aus, das mich zum richtigen Azubi für den Beruf und das Unternehmen macht?
Viel mehr braucht es für eine gelungene Bewerbung prinzipiell nicht. Allerdings sollte der Bewerber beachten, dass es nicht nur auf die Inhalte ankommt. Auch das Gesamtpaket muss stimmen.
Eine korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung sind daher ebenso Pflicht wie ordentliche Bewerbungsunterlagen ohne Knicke und Flecken.

3 schnelle Tipps für die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz
Was die Bewerbung als solche angeht, haben sich folgende Tipps bewährt:
-
Rechtzeitig bewerben:
Die meisten Ausbildungen beginnen im September oder Oktober. Wenn der angehende Azubi erst im Mai oder Juni damit anfängt, erste Bewerbungen zu schreiben und zu verschicken, ist es oft schon zu spät.
Viele Unternehmen haben zu diesem Zeitpunkt ihre Ausbildungsplätze längst besetzt.
Ratsam ist deshalb, schon weit vor dem geplanten Ausbildungsbeginn mit der Ausbildungsplatzsuche zu beginnen.
-
Formale Anforderungen abklären:
Je nach Ausbildungsberuf und Unternehmen müssen Azubis bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit sie die Ausbildung überhaupt absolvieren können.
Bei diesen Voraussetzungen kann es sich um ein bestimmtes Alter, den notwendigen Schulabschluss, einen gewissen Notendurchschnitt, erforderliche Praktika, körperliche Anforderungen und ähnliche Kriterien handeln.
Der Bewerber sollte sich deshalb vorher informieren, welche Anforderungen er auf jeden Fall erfüllen muss. Auf diese Weise kann er sich Bewerbungen, die allein an formalen Anforderungen scheitern, sparen.
-
Die Bewerbungsmappe zusammenstellen:
Zu einer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz gehört eine ordentliche Bewerbungsmappe einfach dazu. In die Bewerbungsmappe werden der Lebenslauf, Zeugnisse und Nachweise eingeheftet.
Ein Deckblatt ist meistens überflüssig, denn der Lebenslauf eines angehenden Azubis ist ohnehin meist nicht sehr umfangreich, so dass die Angaben und das Bewerbungsfoto genug Platz haben.
Als Richtlinie gilt, dass der Lebenslauf eines angehenden Azubis maximal eine DIN A4- Seite lang sein sollte. Bei den Zeugnissen gehört das letzte Schulzeugnis auf jeden Fall in die Mappe. Ist dieses Zeugnis nicht ganz so gut ausgefallen, kann der Bewerber auch das vor- und das vorvorletzte Zeugnis dazulegen. Ansonsten reicht das letzte Zeugnis aus.
Hat der Azubi Nachweise über absolvierte Praktika, besuchte Kurse oder Ferien- und Nebenjobs, kann er diese ebenfalls hinzufügen. Allerdings sollte er sich auf die Nachweise beschränken, die wirklich etwas aussagen.
Bei der Bewerbungsmappe kommt es nicht darauf an, dass sie möglichst dick ist, sondern dass sie relevante Infos liefert.
Fordert das Unternehmen weitere Unterlagen, beispielsweise ein Gesundheitsattest oder ein polizeiliches Führungszeugnis, gehören diese natürlich ebenfalls in die Mappe. Das Anschreiben, das höchstens eine Seite lang sein darf, wird nicht in die Bewerbungsmappe eingeheftet. Stattdessen wird es lose auf die Mappe gelegt.

Ganz Konkrete Tipps für die Bewerbung auf eine freie Lehrstelle
Online-Bewerbung: So wirkt deine Mappe auch digital ordentlich
Ein PDF reicht. Fasse Anschreiben, Lebenslauf und Anlagen (Zeugnisse, Nachweise) in einer Datei zusammen. Vergib einen sauberen Dateinamen wie Bewerbung_Ausbildung_Kauffrau_Marketing_Maxine_Mustermann.pdf.
In Portalen lädst du die Dokumente oft einzeln hoch – prüfe dort die Reihenfolge: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse/Nachweise.
Betreff & E-Mail-Text (bei E-Mail-Bewerbungen):
- Betreff: „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als [Beruf] – [Startjahr]“
- Kurztext: 2–3 Sätze, wer du bist, worauf du dich bewirbst, Anlagen erwähnt („Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse im PDF“).
- Signatur: vollständige Kontaktdaten, Link zu einem gepflegten LinkedIn/Portfolio (falls vorhanden).
Zeugnisse & Nachweise: Qualität schlägt Masse
Lege das aktuelle Schulzeugnis bei, dazu relevante Praktika- und Kursnachweise. Ein Nebenjob im Einzelhandel? Perfekt, wenn du dich für einen kaufmännischen Beruf bewirbst – er zeigt Zuverlässigkeit, Kundenorientierung und Pünktlichkeit.
Unwichtige Belege weglassen: Eine schlanke Mappe wirkt souverän.

„Nicht die besten Noten?“ – So zeigst du trotzdem Stärke
Noten sind ein Bild, nicht der ganze Film.
Zeige belegbare Leistungssignale:
- Praxis: Ferienjob, Schülerfirma, Vereinsaufgaben (Kasse führen, Social-Media-Posts, Eventorganisation).
- Wettbewerbe/Projekte: Jugend forscht, Informatik-AG, Schulzeitung, Theater-AG.
- Lernkurve: Erkläre kurz, wie du eine schwächere Phase überwunden hast („Seit Klasse 10 lerne ich mit Karteikarten – die Mathe-Note hat sich von 4 auf 2 verbessert“).
So wird aus einer Zahl eine Entwicklungsgeschichte – genau das überzeugt Ausbilder.
Hobbys in Soft Skills übersetzen (mit Mini-Beispielen)
- Vereinssport → Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen („Als Kapitän koordiniere ich Trainings und Turniere“).
- Gaming/Programmieren → Problemlösungsdenken, Ausdauer („Ich habe ein kleines Spiel mit Python gebaut“).
- Musik/Theater → Disziplin, Auftrittssicherheit („regelmäßige Proben, Auftritte vor Publikum“).
Wichtig ist die Brücke zum Beruf: Warum passt diese Stärke zur Ausbildung?
Zeitplan: Von der Suche bis zum Gespräch
- T-6 bis T-4 Monate: Beruf und Betriebe eingrenzen, Unterlagen erstellen, erste Bewerbungen versenden.
- T-3 Monate: Nachfassen, weitere Bewerbungen, Einstellungstest üben.
- T-2 bis T-1 Monate: Vorstellungsgespräche, ggf. Probearbeiten/Assessment-Day.
- Bis Start: Vertrag, Formulare, ggf. Gesundheitscheck einreichen.
Das gibt dir Luft – und verhindert, dass du nur noch „das Letzte“ bekommst.

Einstellungstest & Gespräch: So bereitest du dich schlau vor
Einstellungstest: Übe Grundlagen (Logik, Deutsch, Mathe). Teste dich mit Zeitlimit – wichtig ist das Tempo.
Vorstellungsgespräch: Arbeite mit STAR (Situation–Task–Action–Result). Beispiel:
„Situation: In der Schülerfirma brach vor dem Verkaufstag das Kassensystem ab.
Aufgabe: Ersatzlösung finden. Aktion: Ich habe eine Excel-Kasse gebaut, Rollen verteilt. Ergebnis: Verkauf lief weiter, 420 € Umsatz, alles nachvollziehbar.“
Klingt greifbar – und zeigt Initiative.
Social-Media-Check: Dein Profil, dein Auftritt
Google dich selbst. Entferne öffentliche Inhalte, die nicht zu dir als Azubi passen. Ein sachliches Profilbild auf LinkedIn/Instagram (öffentlich) hilft, wenn Recruiter einen schnellen Eindruck suchen. Kleine Änderung, große Wirkung.
Formulierungen für Azubi-Anschreiben (kurz & persönlich)
- Einstieg: „Ich bewerbe mich um die Ausbildung als …, weil ich … konkret spannend finde: [Beispiel aus Praktikum/Projekt].“
- Motivation für den Betrieb: „Ihr Fokus auf [z. B. Kundenservice/Innovation/Nachhaltigkeit] passt zu mir – das habe ich in [Beispiel] erlebt.“
- Stärken mit Beleg: „Ich übernehme Verantwortung: In der SV habe ich … organisiert (150 Teilnehmende).“
- Schluss: „Gern überzeuge ich Sie im Gespräch oder Probearbeiten.“

Für Minderjährige: Formalien kurz im Blick
Prüfe bei Formularen, ob Unterschriften der Erziehungsberechtigten benötigt werden. Halte Ausweis und ggf. ärztliche Bescheinigungen bereit, wenn sie angefordert werden. (Das ist ein Praxis-Hinweis, keine Rechtsberatung.)
Barrierearme, klare Gestaltung – hilfreich für alle
Kurze Absätze, klare Zwischenüberschriften, Listen, aktiver Sprachstil. Jeder Absatz soll für sich Sinn ergeben und eine klare Botschaft transportieren – das hilft Personalern.
Mini-Checkliste
- Ein PDF, sauberer Dateiname, max. 3 MB
- Anschreiben: 9–12 Sätze, persönlich, ohne Floskeln
- Lebenslauf: 1 Seite, aktuell, mit Bewerbungsfoto nur wenn gewünscht
- Zeugnisse/Nachweise: relevant statt „alles rein“
- Betreff/E-Mail-Text: präzise, freundlich, vollständig
- Social Media geprüft
- Test/Gespräch mit STAR-Beispielen vorbereitet

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