Infos und Tipps zum Umgang mit schwierigen Azubis

Infos und Tipps zum Umgang mit schwierigen Azubis

Wer direkt nach der Schule mit seiner Ausbildung beginnt, muss sich an die Herausforderungen gewöhnen, die das neue Umfeld und das Berufsleben mit sich bringen. Doch das gelingt nicht allen Azubis gleich gut. So mancher Azubi stellt vielleicht auch fest, dass er sich für den falschen Beruf entschieden hat. Ein anderer Azubi ist womöglich der Ansicht, dass er schon vieles kann und teilweise sogar besser weiß als seine älteren Kollegen.

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Infos und Tipps zum Umgang mit schwierigen Azubis

Eventuell verliert ein Azubi aber auch einfach das Interesse an der Ausbildung. Oder er weiß, dass er nach der Probezeit nicht ohne Weiteres gekündigt werden kann und gibt sich deshalb wenig Mühe.

Azubis, deren Verhalten zu wünschen übrig lässt, stellen nicht nur die Geduld von Vorgesetzten und Kollegen auf die Probe. Vielmehr kann langfristig das ganze Betriebsklima leiden. Doch was kann der Ausbildungsbetrieb tun?

Wir geben Infos und Tipps zum Umgang mit schwierigen Azubis!:

Den Ursachen auf den Grund gehen

Ständiges Zuspätkommen und häufiges Fehlen, schlampig geführte Berichtshefte, schnippische Antworten, bestenfalls halbherziges Umsetzen der Anweisungen: Solche Verhaltensweisen machen die Zusammenarbeit mit einem Azubi nicht leicht.

Bevor sich die Fronten verhärten, sollte der Ausbilder versuchen, die Gründe für das schwierige Verhalten herauszufinden. Dazu kann er das Gespräch mit dem Azubi suchen. Im Idealfall berichtet ihm der Azubi, welche Probleme es gibt.

Allerdings ist so viel Offenheit keineswegs selbstverständlich. Oft wird der Ausbilder deshalb selbst Ursachenforschung betreiben müssen.

Dabei sind verschiedene Gründe denkbar:

  • Der Azubi ist überfordert. Er empfindet die Anforderungen als zu hoch, schafft das Arbeitspensum nicht und ist zunehmend gefrustet.

  • Andersherum kann sich der Azubi unterfordert fühlen. Die Aufgaben sind ihm zu einfach und er langweilt sich.

  • Konflikte mit anderen Azubis können den betroffenen Azubi belasten. Möglicherweise sieht er sich in einer Konkurrenzsituation, fühlt sich benachteiligt oder möchte nicht ständig mit einem anderen Azubi zu tun haben, den er nicht leiden kann.

  • Zwischen dem Azubi und seinem Ausbilder kann es Spannungen geben, weil die Chemie nicht stimmt.

  • Erfahrene Kollegen behandeln den Azubi nach dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Sie lassen ihn spüren, dass er „nur“ der Azubi ist und er weiß nicht, wie er sich zur Wehr setzen kann.

Das Gespräch suchen

Bei der Führung junger Menschen ist Feingefühl erforderlich. Im Gespräch mit dem Azubi sollte der Ausbilder seinen Standpunkt aufzeigen und so konkret wie möglich benennen, welche Verhaltensweisen ihn stören und welche Änderungen er sich wünscht.

Ratsam dabei ist, in Ich-Botschaften zu formulieren. Auf diese Weise unterstreicht der Ausbilder, dass er seine Position erklärt. Andernfalls wirken die Aussagen schnell wie Vorwürfe und Anschuldigungen. Der Azubi kann dadurch aber erst recht dichtmachen.

Außerdem sollte der Ausbilder aufzeigen, wie sich das Verhalten des Azubis auf das Verhältnis zwischen den beiden auswirkt. Er kann dabei ruhig sagen, dass ihn das Benehmen ebenso belastet.

Am Ende geht es darum, dass der Azubi versteht, dass ihn der Ausbilder nicht an den Pranger stellt, sondern gemeinsam mit ihm eine konstruktive Lösung für die weitere Zusammenarbeit finden möchte.

Grenzen aufzeigen

Hält sich der Azubi nicht an die Regeln, zum Beispiel weil er sich regelmäßig im Ton vergreift oder Anweisungen ignoriert, muss der Ausbilder eingreifen. Er sollte klarmachen, dass er ein solches Verhalten nicht weiter dulden wird. Wichtig dabei ist, dass der Ausbilder das Verhalten nicht nur allgemein kritisiert, sondern konkrete Beispiele nennt.

Es geht auch hier nicht darum, den Azubi nur mit Vorwürfen zu konfrontieren. Trotzdem muss der Ausbilder aufzeigen, dass alles seine Grenzen hat. Deshalb kann und sollte der Ausbilder den Azubi durchaus darauf aufmerksam machen, dass er mit Konsequenzen wie einer Abmahnung rechnen muss, falls sich nichts ändert.

Vor diesem Hintergrund ist ratsam, das Gespräch zu dokumentieren und die getroffenen Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. Zum einen lassen sich auf diese Weise Missverständnisse vermeiden. Und zum anderen hat der Ausbilder einen Nachweis, falls tatsächlich eine Abmahnung notwendig werden sollte.

Andere Stellen einbeziehen

Generell gilt, dass der Ausbildungsbetrieb so früh wie möglich eingreifen sollte. Es ist einfacher, einen Konflikt zu lösen, wenn er noch nicht eskaliert ist. Dabei kann der Ausbildungsbetrieb auch andere Stellen einbeziehen.

Ein Ansprechpartner kann der Verantwortliche in der Berufsschule sein. Möglicherweise gelingt es dem Lehrer, positiv auf den Azubi einzuwirken.

Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, kann er informiert werden und als Vermittler auftreten. Daneben bietet sich die Zusammenarbeit mit der Jugend- und Auszubildendenvertretung des Betriebs an, um die Situation zu lösen.

Ausbildungsvertrag auflösen

Kommen der Ausbildungsbetrieb und der Azubi zu dem Ergebnis, dass es keinen Sinn macht, die Ausbildung fortzusetzen, kann die einvernehmliche Auflösung des Ausbildungsvertrags der richtige Schritt sein. Verständigen sich beide Seiten darauf, getrennte Wege zu gehen, besteht die Chance, sich im Guten zu trennen.

Als letzte Lösung bleibt die Kündigung des Ausbildungsvertrags. Während der Probezeit ist eine Kündigung ohne große Hürden möglich. Denn die Probezeit dient ja gerade dazu, sich gegenseitig kennenzulernen und auszuloten, ob die Zusammenarbeit funktioniert.

Nach der Probezeit kann ein Ausbildungsverhältnis nur noch außerordentlich gekündigt werden. Voraussetzung dafür ist ein wichtiger Grund, der es dem Ausbildungsbetrieb unzumutbar macht, das Ausbildungsverhältnis bis zum regulären Ende fortzuführen.

Die Kündigung muss dann innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden dieses Grundes erfolgen.

Da bei einer Kündigung aber immer die Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden müssen, ist eine einvernehmliche Beendigung des Ausbildungsverhältnisses der einfachere Weg. Davon profitiert letztlich auch der Azubi. Denn diese Lösung macht sich in den Bewerbungsunterlagen besser als eine fristlose Kündigung.

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Mareike Dietzbach, - Personalerin und Ausbilderin, Simon Schneider, Ausbilder und Bewerbungstrainer und Christian Gülcan, Unternehmer, Gründer, Arbeitgeber und Betreiber dieser Webseite, Ferya Gülcan, Unternehmerin, Arbeitgeberin, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Ausbildung, Berufe, Praktikum, Berichtsheftführung mit vielen Tipps und Ratgebern für Auszubildene, Schüler und Umschüler, Studenten und Jobsuchende.

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