Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest? 2. Teil

Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest? 2. Teil

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz wird vermutlich auch die eine oder andere Einladung zum Einstellungstest erfolgen. Denn immer mehr Arbeitgeber setzen bei der Auswahl ihrer künftigen Azubis solche Testverfahren ein. Einen Lehrling auszubilden, kostet ein Unternehmen einerseits Zeit und Geld. Andererseits möchte es die qualifizierte Nachwuchskraft meist auch über die Lehre hinaus in den eigenen Reihen behalten.

Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest 2. Teil

Umso wichtiger ist deshalb, sich für den richtigen Bewerber zu entscheiden. Genau dabei soll der Einstellungstest helfen.

Eigentlich ist es also eine gute Nachricht, wenn der Bewerber zum Eignungstest eingeladen wird. Offensichtlich konnte er nämlich mit seiner Bewerbung Interesse an einem näheren Kennenlernen wecken. Zudem kommt er für eine Einstellung in Frage. Sonst hätte der Arbeitgeber direkt abgesagt.

Allerdings sind die Meinungen zu Einstellungstests zweigeteilt. Während die Befürworter große Vorteile sehen, zweifeln Kritiker am Sinn und der Aussagekraft der Tests. In einem zweiteiligen Beitrag gehen wir deshalb der Frage “Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest?” einmal genauer auf den Grund.

Dabei haben wir im 1. Teil erklärt, bei welchen Berufen Einstellungstests üblich sind. Außerdem haben wir die Pluspunkte der Testverfahren aufgezeigt.

Weiter geht’s nun mit dem 2. Teil!:

Was wird an Einstellungstests kritisiert?

Es gibt Argumente, die klar für Eignungstests sprechen. Doch ihnen stehen die Minuspunkte gegenüber. Ein großer Kritikpunkt bezieht sich auf die Aussagekraft der Testergebnisse. Gerade ein Einstellungstest für einen Ausbildungsplatz fragt kein besonderes Fachwissen ab, das mit dem angestrebten Beruf zusammenhängt.

Stattdessen steht grundsätzliches Wissen und Können im Mittelpunkt. Doch allgemeine Fragen, Aufgaben und Übungen ohne echten Bezug zum Beruf lassen kaum Rückschlüsse darauf zu, wie gut der Bewerber speziell für den angestrebten Job tatsächlich geeignet ist.

Noch kritischer wird die Belastbarkeit von psychologischen Tests gesehen. Fragen, die auf die Persönlichkeit und den Charakter abzielen, brauchen eine wissenschaftliche Grundlage. Ebenso setzt die Auswertung psychologische Kenntnisse voraus. Diesen Anforderungen werden viele Testverfahren aber nicht gerecht.

Ein anderer Aspekt ist, dass ein Einstellungstest darauf abzielt, den Bewerber näher kennenzulernen und dem Arbeitgeber ein umfassendes Bild zu vermitteln. Die Prüfungssituation, der Leistungsdruck und der Stresspegel verhindern aber oft, dass der Bewerber authentisch auftritt.

Vielmehr wird er versuchen, seine Anspannung zu überspielen und sich in einem möglichst optimalen Licht zu präsentieren. Einen echten Eindruck davon, wie der Bewerber ist und was ihn ausmacht, wird der Arbeitgeber so eher nicht bekommen.

Dazu kommt der große Zeit- und Kostenaufwand, mit dem ein Einstellungstest einhergeht. Je spezifischer das Testverfahren auf das Unternehmen und die Lehrstelle zugeschnitten sein soll, desto aufwändiger sind die Planungen, die Vorbereitungen und die Durchführung.

Außerdem bleibt wenig Spielraum für Flexibilität. Der Arbeitgeber kann Bewerber nicht unbedingt spontan einladen, sondern muss die Abläufe vorher organisieren.

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Warum kann ein Bewerber von einem Einstellungstest profitieren?   

Es ist nachvollziehbar, wenn sich ein Bewerber die Teilnahme am Einstellungstest lieber ersparen würde. Schließlich muss er sich im Vorfeld über das Verfahren informieren, sich gut auf den Test vorbereiten und dann verschiedenste Prüfungen meistern. Trotzdem kann es ein großer Vorteil sein, wenn der Wunsch-Arbeitgeber künftige Azubis per Eignungstest auswählt.

Ein Grund dafür ist, dass der Bewerber etliche Möglichkeiten hat, um mit guten Leistungen zu glänzen. Verzichtet der Arbeitgeber auf einen Einstellungstest, bleiben dem Bewerber nur die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch.

Als angehender Azubi wird der Lebenslauf aber oft noch nicht allzu viel hergeben. Und wenn das Bewerbungsgespräch nicht optimal läuft, wird es mit einer Zusage schwierig. Im Unterschied dazu setzt sich ein Einstellungstest aus mehreren Bausteinen zusammen. Selbst wenn der Bewerber in einem Bereich weniger gut abschneidet, kann er die Leistungen in einem anderen Bereich, der ihm gut liegt, ausgleichen.

Hat der Bewerber die Teststationen durchlaufen, bekommt er normalerweise ein Feedback. Dadurch erfährt er, worin andere seine Stärken und Schwächen sehen. Vielleicht zeigt sich auch, dass der Bewerber mit seiner Berufswahl danebengelegen hat.

Wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen, die bei der weiteren Suche nach einem Ausbildungsplatz nützlich sind, kann der Bewerber somit sogar dann für sich mitnehmen, wenn er den Einstellungstest nicht bestanden hat.

Außerdem ist bereits die Vorbereitung auf den Test hilfreich. Denn wenn sich der Bewerber mit Übungsaufgaben zu Themen wie Mathe und Deutsch, Allgemeinwissen, Logik oder Konzentrationsvermögen auseinandersetzt, vertieft er sein Wissen, Und das wird ihm in jedem Beruf etwas bringen.

Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest – ein Fazit

Einen Ausbildungsplatz ohne Einstellungstest zu ergattern, sieht auf den ersten Blick einfacher aus. Eine gelungene Bewerbung ist schließlich schon die halbe Miete und wenn dann auch das Vorstellungsgespräch gut läuft, ist die Zusage in der Tasche.

Verzichtet ein Arbeitgeber auf zusätzliche Testverfahren, bekommt die Bewerbung aber weit mehr Gewicht. Der Arbeitgeber wird dann nämlich sehr genau hinschauen und abwägen, wen er zum persönlichen Gespräch einlädt und wessen Bewerbung er aussortiert. Gibt es nur das eine Gespräch, hat der Bewerber zudem auch nur diese eine Chance, um zu überzeugen.

Bei einem Einstellungstest muss sich der Bewerber in vielen verschiedenen Bereichen beweisen. Genau das kann ihm aber zugutekommen. Denn wenn ein Teil eher mittelmäßig geklappt hat, kann der Bewerber in anderen Testabschnitten wieder Pluspunkte sammeln.

Unterm Strich sollte der Bewerber einen Einstellungstest deshalb als Chance verstehen, sich und seine Kenntnisse zu präsentieren. Mit Druck und Stress muss er auch im Berufsleben zurechtkommen. Und wenn sich der Bewerber ordentlich auf den Einstellungstest vorbereitet, ist alles halb so wild.

Niemand verlangt übermenschliche Leistungen – und dass die Tests machbar sind, zeigen all jene Azubis, die ihre Lehrstelle über diesen Weg bekommen haben.

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Mareike Dietzbach, 46 Jahre alt, Personalerin und Ausbilderin, sowie Simon Schneider, geboren 1981, Ausbilder und Bewerbungstrainer und Christian Gülcan als betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Ausbildung, Berufe, Praktikum, Berichtsheftführung mit vielen Tipps und Ratgebern für Auszubildene, Schüler und Umschüler, Studenten und Jobsuchende.

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