Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest? 1. Teil

Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest? 1. Teil

Wenn die Schulzeit allmählich zu Ende geht und die Suche nach einem Ausbildungsplatz beginnt, wird vermutlich auch die eine oder andere Einladung zum Einstellungstest erfolgen. Denn immer mehr Unternehmen und Behörden setzen Tests ein, um ihre künftigen Azubis auszuwählen. Doch die Meinungen zu Eignungstests gehen auseinander.

Ausbildungsplatz mit oder ohne Einstellungstest 1. Teil

In einem zweiteiligen Beitrag schauen wir uns an, welche Vorteile ein Einstellungstest bietet und worin die Nachteile liegen. Außerdem klären wir, wie die Chancen auf eine Lehrstelle ohne vorherigen Einstellungstest stehen:

Bei welchen Berufen sind Einstellungstests üblich?

Ob Großkonzern, Versicherung, Bank, öffentliche Verwaltung, Bundeswehr oder Polizei: In der Wirtschaft und der Industrie sind Einstellungstests genauso verbreitet wie im öffentlichen Dienst.

Ein Grund dafür ist, dass die Anzahl der Bewerber die Anzahl der freien Ausbildungsplätze oft deutlich übersteigt. Durch einen Einstellungstest hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, mehrere Bewerber gleichzeitig zu testen.

Dadurch muss er sich bei der Vorauswahl nicht allein auf die Bewerbungsunterlagen verlassen. Schließlich kann gut sein, dass ein Bewerber der optimale Azubi wäre, das in seiner Bewerbung aber nicht so richtig rüberbringen konnte. Andersherum ist natürlich auch denkbar, dass eine Bewerbung Erwartungen weckt, die sich im Nachhinein nicht bestätigen.

Statt gleich auszusortieren und Absagen zu verschicken, kann der Arbeitgeber also mehr potenzielle Kandidaten zum Eignungstest einladen und sich ein umfassendes Bild von ihnen machen. Am Ende des Auswahlverfahrens sind ohnehin nur noch eine Handvoll Bewerber übrig.

Ein anderer Aspekt ist, dass viele Berufe besondere Anforderungen stellen. Soll ein Arbeitsplatz besetzt werden und bringt ein Bewerber neben einer abgeschlossenen Ausbildung mehrere Jahre Berufserfahrung mit, genügen dem Arbeitgeber meist ein, zwei Gespräche, um die Qualifikation und die Eignung einzuschätzen.

Doch bei Bewerbern, die frisch von der Schule kommen, ist es für den Arbeitgeber deutlich schwieriger, zu beurteilen, ob sie für die Ausbildung und den Job geeignet sind.

Hinzu kommt, dass ein Arbeitgeber nicht nur viel Zeit und Geld in die Ausbildung seiner Lehrlinge investiert. Stattdessen hat er meist eine langfristige Zusammenarbeit im Blick. Deshalb möchte er sich verständlicherweise für den richtigen Azubi entscheiden.

Auf der anderen Seite ist es für ein Unternehmen mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden, Einstellungstests oder Assessment-Center zu organisieren. Eine kleine Firma kann das so oft gar nicht leisten.

Deshalb fällt hier die Entscheidung für oder gegen einen Azubi vielfach auf Basis der Bewerbungsmappe und eines Vorstellungsgesprächs. Letztlich hat in Sachen Auswahlverfahren also der Arbeitgeber das letzte Wort. Er legt für sich fest, wie er künftige Azubis und neue Mitarbeiter aussucht.

Das heißt: Bei großen Unternehmen und im öffentlichen Dienst wird der Bewerber eher selten um einen Einstellungstest herumkommen. Ähnlich sieht es aus, wenn er nach dem Studium in eine höhere Position einsteigen will.

Im Unterschied dazu stehen in kleineren Betrieben die Chancen auf einen Ausbildungsplatz ohne vorhergehenden Einstellungstest ganz gut.

Welche Pluspunkte bietet ein Einstellungstest?

Aus Sicht der Befürworter gibt es gute Gründe, es nicht bei einem Vorstellungsgespräch zu belassen, sondern einen teils sehr umfangreichen Test einzusetzen. Die Möglichkeit, viele Kandidaten einzuladen und sich dadurch eine größere Auswahl offen zu lassen, haben wir schon als Vorteil genannt.

Doch es gibt noch mehr Pluspunkte:

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Umfassendes Bild

Durch einen Einstellungstest kann der Arbeitgeber viele Erkenntnisse über den Bewerber gewinnen. Denn der Test beinhaltet Fragen, Aufgaben und Übungen aus den verschiedensten Bereichen.

Mathe und Deutsch stehen genauso auf dem Programm wie etwa die Allgemeinbildung, das logische Denkvermögen oder die Konzentrationsfähigkeit. In Rollenspielen und bei Gruppenaufgaben kommen Dinge wie Ausdrucksvermögen, Teamgeist, Durchsetzungsfähigkeit und allgemein das Verhalten gegenüber anderen zum Tragen.

Der Eignungstest liefert dem Arbeitgeber somit innerhalb kurzer Zeit viele Erkenntnisse über das Wissen, das Können und die Eigenschaften des Bewerbers. Gleichzeitig kann der Arbeitgeber einschätzen, welche Bereiche dem Bewerber gut liegen und wo er seine Schwächen hat.

Rückschlüsse auf die Arbeitsweise

Ein Einstellungstest ist in aller Regel so konzipiert, dass der Bewerber unter Zeitdruck gerät. Alle Aufgaben durchzuarbeiten und richtig zu lösen, ist meist unmöglich. Der Arbeitgeber kann auf diese Weise feststellen, wie der Bewerber mit Druck und Stress zurechtkommt. Im Arbeitsalltag ist das schließlich nicht unwichtig.

Außerdem kann der Eignungstest Übungen enthalten, die typische Situationen aus der Berufspraxis imitieren. So kann sich der Arbeitgeber ein Bild davon machen, ob der Bewerber die Merkmale und Eigenschaften mitbringt, die er im Job braucht.

Gleichzeitig werden die Aufgaben zu einer kleinen Stichprobe dafür, wie der Bewerber arbeitet und wie er sich Herausforderungen nähert.

Ein weiterer Aspekt ist, dass der Einstellungstest den Bewerber in eine komplett neue Situation versetzt. Er befindet sich in einem Umfeld, das er nicht kennt, und ist von lauter Fremden umgeben.

Selbst wenn er sich intensiv auf den Test vorbereitet hat, wird er auf Aufgaben stoßen, die er so noch nicht gesehen hat. Zudem absolviert er eine Prüfung, bei der es um nicht weniger als die berufliche Zukunft geht.

All das führt dazu, dass sich der Bewerber schnell zurechtfinden und immer wieder umdenken muss. Der Arbeitgeber kann beobachten, wie souverän der Bewerber das meistert.

Objektive Auswertung

Bei einem Einstellungstest herrschen gleiche Bedingungen für alle Bewerber. Denn jeder Teilnehmer muss exakt die gleichen Fragen, Aufgaben und Übungen lösen. Damit hat jeder Kandidat eine faire Chance, mit guten Leistungen zu überzeugen.

Der Arbeitgeber kann die Ergebnisse nicht nur gut miteinander vergleichen, sondern auch objektiv auswerten. Beim Computertest zum Beispiel kann eine Frage nur richtig oder falsch beantwortet sein. Ein vorher festgelegtes System mit Punkten oder Noten ermöglicht eine zuverlässige Einordnung der Leistungen.

Dazu kommt, dass persönliche Sympathien außen vor bleiben. Das liegt zum einen daran, dass die Ergebnisse der einzelnen Prüfungen für das Endergebnis maßgeblich sind. Zum anderen begleiten üblicherweise mehrere Prüfer das Auswahlverfahren.

Wie nett der Bewerber auf seinem Foto wirkt oder ob er und der Personaler beim Vorstellungsgespräch einen Draht zueinander finden, ist beim Eignungstest zweitrangig.

Im Unterschied dazu kann die Sympathie in einem Auswahlverfahren, das nur ein Bewerbungsgespräch umfasst, durchaus den Ausschlag für eine Zu- oder Absage geben.

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Mareike Dietzbach, 46 Jahre alt, Personalerin und Ausbilderin, sowie Simon Schneider, geboren 1981, Ausbilder und Bewerbungstrainer und Christian Gülcan als betreiber dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes zum Thema Ausbildung, Berufe, Praktikum, Berichtsheftführung mit vielen Tipps und Ratgebern für Auszubildene, Schüler und Umschüler, Studenten und Jobsuchende.

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