Übersicht: Neue Ausbildungsberufe 2015, Teil II

Übersicht: Neue Ausbildungsberufe 2015, Teil II

Wie jedes Jahr hält auch das Ausbildungsjahr 2015 wieder neue und modernisierte Ausbildungsberufe bereit. In Teil I der Übersicht haben wir mit dem Automatenfachmann, dem Betonteilfertigbauer, dem Bogenmacher, der Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik sowie dem Geigenbauer die ersten fünf Berufe vorgestellt.

Nun geht es in Teil II der Übersicht mit fünf weiteren,
neuen Ausbildungsberufen 2015 weiter:

 

Gießereimechaniker/in

Gießereimechaniker sind an allen Produktionsabläufen im Bereich der gießereitechnischen Fertigung beteiligt. Je nach Tätigkeitsschwerpunkt stellen sie beispielsweise anhand von Modellen Gussformen her oder verwenden bereits vorhandene Gussformen, um damit Gusswerkstücke zu fertigen.

Dabei beginnt der Fertigungsprozess mit dem Schmelzen der Metalle in Schmelzöfen. Um die geforderten Materialeigenschaften zu erreichen, fügen Gießereimechaniker den Metallen bei Bedarf bestimmte Legierungsmetalle oder andere Zusatzstoffe hinzu. Ist die richtige Verarbeitungstemperatur erreicht, befüllen Gießereimechaniker die Gussformen mit der Schmelze.

Nach dem Erkalten entfernen sie die Gussformen, kontrollieren die Werkstücke auf Fehler und bearbeiten sie nach.

Bislang wurde die Ausbildung zum/zur Gießereimechaniker in drei Fachrichtungen angeboten. Im Zuge der Neuordnung wurden diese Fachrichtungen aufgehoben.

Stattdessen erfolgt die Ausbildung jetzt in einem
von sechs Schwerpunkten, und zwar:

  • Druck- und Kokillenguss,
  • Feinguss,
  • Handformguss,
  • Kernherstellung,
  • Maschinenformguss oder
  • Schmelzbetrieb.

 

Die Ausbildung dauert 3,5 Jahre und findet in der Industrie statt. Im Vorgängerberuf entschieden sich die Ausbildungsbetriebe überwiegend für Azubis mit mittlerer Reife.

 

Holzmechaniker/in

Den Arbeitsplatz von Holzmechanikern bilden Produktionsanlagen, an denen industriell gefertigte Holzprodukte entstehen. Daneben kümmern sich Holzmechaniker um die Montage von hölzernen Bauelementen und Innenausbauten.

Der bereits bestehende Ausbildungsberuf wurde modernisiert. Außerdem ist eine dritte Fachrichtung hinzugekommen.

 

Je nach Fachrichtung sind Holzmechaniker dann für unterschiedliche Aufgaben und Tätigkeiten zuständig:

  • Holzmechaniker der Fachrichtung Herstellen von Bauelementen, Holzpackmitteln und Rahmen kümmern sich um die Fertigung von Fenstern, Türen, Treppen und anderen Bauelementen aus Holz. Außerdem fertigen sie hölzerne Packmittel und Transportverpackungen oder Rahmen und Leisten. Dafür bereiten sie die Holzwerkstoffe vor, behandeln die Oberflächen und fügen die Einzelteile zu Werkstücken zusammen. Die Kontrolle der fertigen Bauelemente gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben. Außerdem kümmern sie sich darum, dass die Bauelemente fachgerecht verpackt und gelagert werden.

 

  • Holzmechaniker der Fachrichtung Herstellen von Möbeln und Innenausbauteilen stellen Tische, Sitzmöbel, Regalsysteme und Ladeneinrichtungen her. Dabei kümmern sie sich um die Vorbereitung der Hölzer und Holzwerkstoffe, um den Zuschnitt, um die Oberflächenbehandlung und um den Zusammenbau. Auch die Prüfung der fertigen Werkstücke, die Verpackung und die fachgerechte Einlagerung der Werkstücke gehören in ihren Aufgabenbereich.

 

  • Holzmechaniker der Fachrichtung Montieren von Innenausbauten und Bauelementen montieren vor Ort Fenster, Türen und andere vorgefertigte Bauelemente. Sie bauen Möbel und Einbausysteme auf, stellen die Anschlüsse zu Bauwerken und anderen Einbauten her und installieren Elektrogeräte. Außerdem montieren sie Lüftungsrohre und Wasserarmaturen und schließen Wasser- und Abwasserleitungen an.

 

  • Die Ausbildung wird in der Industrie angeboten und dauert drei Jahre. Im Rahmen der Ausbildung haben Azubis die Möglichkeit, die Zusatzqualifikation CAD- und CNC-Technik Holz zu erwerben. Ausbildungsbetriebe stellen überwiegend Azubis mit Hauptschul- und Realschulabschluss ein.

 

Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in

Kerzenhersteller und Wachsbildner stellen Kerzen aller Art sowie Ornamente, Figuren und Wachsbilder her. Dafür verarbeiten sie Werkstoffe wie Wachs, Paraffin, Fettsäuren und Farbstoffe.

 

Der neue Ausbildungsberuf, der den Traditionsberuf des Wachsziehers ablöst, wird in zwei Schwerpunkten angeboten:

  • Im Schwerpunkt Kerzenherstellung stehen maschinelle Produktionsabläufe im Vordergrund. Das Bedienen von Kerzenzugmaschinen, Pressanlagen oder Paraffinsprühanlagen und das Überwachen der Produktionsabläufe gehört hier zu den typischen Aufgaben im Arbeitsalltag. Außerdem führen Kerzenhersteller Brennversuche durch, um zu prüfen, wie die Kerzen abbrennen, wie viel Ruß sie entwickeln und wie lang die Brenndauer ist.

 

  • Im Schwerpunkt Wachsbildnerei ist der Arbeitsalltag von Handarbeit geprägt. Wachsbildner modellieren Ornamente, gravieren Muster und Motive in Wachsrohlinge oder erstellen Dekore aus Wachsplatten, mit denen sie anschließend Kerzenrohlinge verzieren. Daneben fertigen sie Formen an und gießen Ornamente und Wachsbilder, die sie bemalen, vergolden oder anderweitig veredeln.

Der Beruf wird im Handwerk und in der Industrie ausgebildet, die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Azubis, die ihre Ausbildung im Vorgängerberuf absolviert oder begonnen haben, hatten meist einen mittleren Bildungsabschluss.

 

Notarfachangestellte/r

Notarfachangestellte erledigen vorbereitende und begleitende Arbeiten im Zusammenhang mit der Beurkundung von Rechtsgeschäften im Bereich der vorsorgenden Rechtspflege.

In diesen Bereich fallen unter anderem Immobilienkäufe, Eheverträge, Vorsorgevollmachten und Testamente. Dabei kümmern sich Notarfachangestellte um die Korrespondenz mit Gerichten, Behörden, Banken und Mandanten. Sie erfassen Beurkundungsaufträge, holen die notwendigen Informationen und Unterlagen ein und bereiten die Besprechungen des Notars vor.

Entwürfe für Urkunden und Schriftstücke wie Vollmachten, Unterschriftenbeglaubigungen, Erbscheinanträge oder eidesstattliche Versicherungen erstellen sie selbstständig. Daneben führen sie Gebührenberechnungen durch, erstellen Rechnungen, überwachen den Zahlungsverkehr und bearbeiten die Post.

Im Rahmen der Neuordnung wurden die Ausbildungsinhalte modernisiert. So werden jetzt beispielsweise das internationale Recht und der elektronische Rechtsverkehr stärker berücksichtigt. Die Ausbildung im Rechtswesen dauert drei Jahre. Die Ausbildungsplätze gehen überwiegend an Azubis mit Abitur.

 

Orthopädieschuhmacher/in

Orthopädieschuhmacher fertigen auf Basis von ärztlichen Verordnungen orthopädische Maßschuhe oder passen Konfektionsschuhe individuell an die Bedürfnisse des Kunden an. Außerdem stellen sie Einlagen, Schienen, Innenschuhe, Prothesen und andere Hilfsmittel her und kümmern sich um deren Anpassung.

Dafür vermessen sie den Kunden, erstellen Abdrücke oder Modelle und bearbeiten die Materialien, bis die Schuhe oder die Hilfsmittel exakt passen und die beabsichtige Wirkung erzielen können. Orthopädieschuhmacher kümmern sich aber nicht nur um die Herstellung und Anpassung von orthopädischen Schuhen und Hilfsmitteln, sondern sind auch für die Kundenberatung und Kundenbetreuung zuständig.

Hierzu gehört, Kunden bei der Auswahl zu unterstützen, sie über die Wirkungsweise der Hilfsmittel zu informieren und ihnen Tipps zur richtigen Handhabung zu geben. Medizinische Fußpflegemaßnahmen und der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen gehören ebenfalls in ihren Aufgabenbereich.

Die Ausbildung findet im Handwerk statt und dauert 3,5 Jahre. Die Ausbildungsbetriebe vergeben ihre Ausbildungsplätze hauptsächlich an Azubis mit mittlerer Reife.

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