Übersicht: Neue Ausbildungsberufe 2015, Teil I

Übersicht: Neue Ausbildungsberufe 2015, Teil I

 

Die Anforderungen der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft verändern sich stetig. Um mit den Entwicklungen Schritt halten zu können und so auch die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland sicherzustellen, müssen die Ausbildungsberufe angepasst werden.

Deshalb werden in regelmäßigen Abständen neue Ausbildungsordnungen erarbeitet und bestehende Ausbildungsordnungen überarbeitet. Im Ergebnis werden komplett neue oder modernisierte Ausbildungsberufe auf den Weg gebracht. Im Ausbildungsjahr 2015 gilt dies für 17 Berufe, 2 weitere wurden in Dauerrecht überführt.

 

Die folgende Übersicht stellt die neuen Ausbildungsberufe 2015 vor:

 

Automatenfachmann/-frau

Die Ausbildung zum/r Automatenfachmann/-frau wird in zwei Fachrichtungen angeboten, nämlich einmal in der Fachrichtung Automatendienstleistung und einmal in der Fachrichtung Automatenmechatronik.

  • Automatenfachleute der Fachrichtung Automatendienstleistung stellen Automaten an geeigneten Orten auf, nehmen sie in Betrieb und stellen sie bedarfsgerecht ein. Außerdem kümmern sie sich darum, dass die Automaten einwandfrei funktionieren. Dazu warten und reinigen sie die Automaten und beheben Störungen. Daneben füllen sie die Automaten auf oder leeren sie und erstellen Abrechnungen. Auch betriebswirtschaftliche Aufgaben in Bereichen wie Marketing, Kundenbetreuung und Personal gehören in ihren Zuständigkeitsbereich. Im Rahmen der Ausbildung ist eine Spezialisierung vorgesehen. Dabei können die Azubis zwischen den Wahlqualifikationen Kaufmännische Geschäftsprozesse und Kundenbetreuung wählen.

 

  • Automatenfachleute in der Fachrichtung Automatenmechatronik montieren Automaten an geeigneten Orten, schließen die Leitungen an und stellen die informationstechnischen Systeme der Geräte ein. Nach der Inbetriebnahme überprüfen sie die Funktionen und die Sicherheitseinstellungen. Reparaturen, Nachrüstungen, der Austausch von Verschleißteilen sowie Wartungs- und Reinigungsarbeiten gehören ebenfalls in ihren Aufgabenbereich. Außerdem befüllen und leeren sie Automaten, erstellen Automatenabrechnungen und übernehmen die Kundenbetreuung. Im Unterschied zur Fachrichtung Automatendienstleistung ist die Fachrichtung Automatenmechatronik aber deutlich auf die Technik ausgerichtet. Deshalb sind Ausbildungsinhalte vorgesehen, die einer Elektrofachkraft für bestimmte Tätigkeiten gleichkommen.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in Industrie und Handel angeboten. Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Die Ausbildungsbetriebe entschieden sich aber überwiegend für Azubis mit mittlerer Reife.

 

Betonteilfertigbauer/in

Nachdem verschiedene neue Materialien und Werkstoffe Einzug in den Arbeitsalltag gehalten haben, wurde es notwendig, den Ausbildungsberuf des Betonfertigteilbauers zu modernisieren. Im Zuge der Anpassung sind zudem handwerkliche Kenntnisse und Fertigkeiten wegfallen und stattdessen Gestaltungs- und Bearbeitungsmethoden hinzugekommen, die in der Industrie üblich sind. Anders als bislang wird der Ausbildungsberuf künftig als Monoberuf ausgebildet und nicht mehr mit zwei Schwerpunkten.

Betonfertigteilbauer/-innen stellen Fertigteile aus Beton oder Stahlbeton wie Treppenstufen, Platten, Rohre oder Wände her. Dafür fertigen sie Formen und Schalungen aus verschiedenen Materialien. Nachdem sie die geeignete Betonmischung hergestellt haben, füllen sie diese in die Formen oder Schalungen ein und härten den Beton. Je nach Bauteil setzen sie Dämmstoffe, Bewehrungen als Verstärkung oder Verbindungsteile ein. Sind die Betonbauteile fertig, bearbeiten, gestalten und versiegeln sie deren Oberfläche. Auch die Instandsetzung von Betonfertigbauteilen gehört in ihren Aufgabenbereich. Hier überprüfen sie die Bauteile und bessern sie bei Bedarf aus.

Die Ausbildung zum/r Betonfertigteilbauer/in wird in der Industrie angeboten und dauert drei Jahre. Die Azubis, die die Ausbildung begonnen haben, hatten meist den Hauptschulabschluss.

 

Bogenmacher/in

Bogenmacher/innen stellen hochwertige Bögen für Geigen, Bratschen, Celli, Kontrabässe und andere Streichinstrumente her. Dabei informieren sie technische Zeichnungen über die Maße und die Vorgaben.

Sie arbeiten mit verschiedenen Werkzeugen und Maschinen, der eigentliche Bogenbau ist aber größtenteils Handarbeit. Aus Hölzern und anderen Werkstoffen fertigen sie dazu zuerst die Bogenstange, den Bogenfrosch und das Bogenbeinchen. Diese Teile verbinden sie miteinander, um sie dann zu glätten, farbig zu gestalten, zu polieren und zu verzieren.

Im letzten Fertigungsschritt wird der Bogen mit Rosshaar bespannt und mit dem Daumenleder ausgestattet. Mit der Prüfung der Klangwiedergabe ist der Bau eines Bogens abgeschlossen. Bogenmacher/innen fertigen aber nicht nur neue Bögen, sondern reparieren auch beschädigte Bögen und beraten Kunden, die einen Bogen kaufen möchten.

Die Ausbildung zum/r Bogenmacher/in wird im Handwerk angeboten. Die Ausbildungsdauer beträgt drei Jahre. Der Berufsschulunterricht kann zusammen mit den Azubis erfolgen, die eine Ausbildung als Zupfinstrumentemacher/in oder Geigenbauer/in absolvieren. Da es keine Azubis gab, die die Ausbildung begonnen haben, liegen keine Angaben zum bevorzugten Schulabschluss vor.

 

Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik

Die Ausbildung im Traditionsberuf des Gerbers wurde überarbeitet. Die neue Ausbildungsordnung trägt unter anderem den höheren Qualitätsvorgaben, gestiegenen Umweltanforderungen und auch technischen Entwicklungen Rechnung.

Neben dem neuen Namen besteht eine weitere Neuerung darin, dass die Abschluss- und die Gesellenprüfung in zwei separate Teile gegliedert ist.

Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik bearbeiten Tierhäute und Tierfelle mit chemischen Mitteln, Werkzeugen und Maschinen, um auf diese Weise Fleischreste, Haare und Verschmutzungen zu entfernen.

Nachdem die Häute mit einer Spaltmaschine in Schichten aufgeteilt sind, gerben sie diese zu Leder. Das Leder wird anschließend gefärbt, gefettet, getrocknet und durch verschiedene Techniken veredelt. Für all diese Arbeitsschritte richten Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik die benötigen Maschinen ein, bedienen sie und überwachen die Prozesse.

Auch die Wartung der Maschinen gehört zu ihren Aufgaben. Bei fertigen Ledererzeugnissen führen sie Qualitätskontrollen durch. Anschließend vermessen sie das Leder und packen es versandfertig ein.

Die dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik wird in der Industrie und im Handwerk angeboten. Die Ausbildungsbetriebe stellten überwiegend Azubis mit Hauptschulabschluss ein.

 

Geigenbauer/in

Geigenbauer/innen fertigen in erster Linie Geigen, genauso aber auch andere Streichinstrumente wie Bratschen, Celli oder Kontrabässe. Dafür erstellen sie zunächst Zeichnungen und übertragen die Konturen im richtigen Format auf Hölzer verschiedener Arten.

Die einzelnen Teile des Instruments sägen sie anschließend aus, hobeln und schleifen sie und verbinden sie durch Leimen miteinander. Da der Lack großen Einfluss auf den Klang hat, tragen Geigenbauer/innen ihn besonders sorgfältig auf.

Danach ziehen sie die Saiten auf, spielen das Instrument probeweise und arbeiten bei Bedarf nach, um die bestmögliche Tonqualität zu erzielen. Neben dem Bau von Streichinstrumenten reparieren und restaurieren Geigenbauer/innen auch ältere oder beschäftigte Instrumente. Außerdem beraten sie Kunden beim Kauf.

Die Ausbildung zum/r Geigenbauer/in findet im Handwerk statt und dauert drei Jahre. Die Ausbildungsbetriebe entschieden sich meist für Azubis mit mittlerer Reife oder Abitur.

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