Typische Übungen beim Assessment Center

Typische Übungen beim Assessment Center – Infos und Tipps dazu 

Ein Unternehmen möchte natürlich den Azubi oder Arbeitnehmer finden, der den Anforderungen gerecht wird, die Stelle möglichst optimal ausfüllt und gut zum Unternehmen passt. Da die Bewerbungsunterlagen und ein Vorstellungsgespräch aber nur bedingt eine genaue Einschätzung zulassen, führen immer mehr Arbeitgeber ein Assessment Center, kurz AC, durch. 

Bei einem AC stehen verschiedene Übungen auf dem Programm, die typische Situationen im Arbeitsalltag durchspielen. Zusammen mit schriftlichen Testverfahren kann sich das Unternehmen so ein recht genaues Bild vom Bewerber und dessen Persönlichkeit machen.

Die Wurzeln des AC liegen im militärischen Bereich und schon im frühen 20. Jahrhundert wurden die Verfahren bei der Auswahl von Offiziersanwärtern durchgeführt. Später übernahmen dann auch Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Institutionen das Prozedere. Wie ein AC konkret abläuft, hängt vom Arbeitgeber ab.

Er legt für sich fest, welche Persönlichkeitsmerkmale und Fähigkeiten er von einem Bewerber erwartet. Im nächsten Schritt wählt er dann Übungen aus, durch die er die jeweiligen Kompetenzen prüfen kann. Da die Anforderungen je nach Stelle, Beruf und Unternehmen verschieden sind, sind auch die Bausteine eines Assessment Centers unterschiedlich. Trotzdem gibt es ein paar Aufgaben, die regelmäßig auftauchen.

Die folgende Übersicht nennt einige typische Übungen
beim Assessment Center und verrät die wichtigsten Infos und Tipps dazu:

Schriftliche Testverfahren

Bei vielen AC werden Tests geschrieben, meist handelt es sich um computergestützte Verfahren. Dem Bewerber werden dabei verschiedene Fragen und Aufgaben gestellt und zur Beantwortung kann er aus mehreren Antwortmöglichkeiten wählen.

Die Tests prüfen die Allgemeinbildung, das Konzentrationsvermögen und die Fähigkeit, logisch zu denken. Für die Bearbeitung der einzelnen Testbausteine ist eine bestimmte Zeit vorgegeben. Mitunter ist diese recht kurz bemessen, um so auch die Leistungsfähigkeit und die Stressresistenz zu ermitteln. Manchmal beinhalten die schriftlichen Testverfahren auch einen Persönlichkeitstest.

Dieser Testbaustein ist jedoch umstritten, denn mitunter gehen die Fragen zu weit. Fragen, die in die Privatsphäre eingreifen, sind weder bei einem AC noch bei einem Vorstellungsgespräch zulässig. Der Bewerber muss solche Fragen deshalb nicht wahrheitsgemäß beantworten. Bei einem Persönlichkeitstest werden die Fragen allerdings nicht direkt gestellt, sondern sind in harmlos wirkende Fragen verpackt. Der Bewerber sollte sich deshalb in Vorbereitung auf das AC mit Persönlichkeitstests auseinandersetzen, um zu durchschauen, worauf die Fragen tatsächlich abzielen.

Es gibt viele Bücher und einschlägige Internetseiten, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Einige Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben auf ihren Internetseiten auch Mustertests, die dem Bewerber einen Eindruck vom Ablauf vermitteln. 

Die Postkorbübung

Die Postkorbübung wird auch als Basket-Methode bezeichnet. Diese Übung simuliert eine typische Situation im Arbeitsalltag, denn es gilt, Abläufe zu planen, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Der Bewerber erhält dazu einen Stapel aus Unterlagen oder Zetteln, auf denen Aufgaben oder Anweisungen stehen.

Dann muss er die Unterlagen sortieren, indem er entscheidet, was dringend ist und sofort erledigt werden muss, was wichtig ist und was zwar wichtig ist, aber noch Zeit hat. Gleichzeitig muss er festlegen, was er selbst erledigt und welche Aufgaben er an andere Personen oder andere Abteilungen weiterleitet. Sind die Unterlagen sortiert, gilt es, einen konkreten Zeitplan zu erstellen, wann und in welcher Reihenfolge der Bewerber die Aufgaben bearbeitet.

Bei dieser Übung geht es darum, herauszufinden, ob der Bewerber systematisch arbeitet und strukturiert vorgeht. Außerdem soll ermittelt werden, ob der Bewerber auch bei größerem Arbeitsanfall den Überblick behält, besonnen vorgeht und in der Lage ist, Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden. Die Übung endet meist mit einem Gespräch, bei dem der Bewerber seine Entscheidungen erklären und begründen muss.  

Die Präsentation

Bei der Präsentationsaufgabe wird dem Bewerber ein Thema genannt, über das er ein kurzes Referat halten soll. Um sich auf die Präsentation vorzubereiten, wird dem Bewerber eine bestimmte Zeit gegeben, außerdem stehen meist Hilfsmittel wie ein Flipchart oder ein Computer mit Beamer zur Verfügung.

Ähnlich wie die Postkorbübung zielt auch die Präsentation darauf ab, die systematische Vorgehensweise, die strukturierte Arbeitsweise und den Umgang mit Stresssituationen zu prüfen. Daneben stehen Kompetenzen wie Ausdrucksfähigkeit, Kreativität, Selbstbewusstsein, ein sicheres Auftreten und Überzeugungskraft auf dem Prüfstand.  

Manchmal findet die Präsentationsaufgabe ziemlich zu Beginn des AC statt. In diesem Fall muss der Bewerber dann nicht über ein vorgegebenes Thema referieren, sondern sich selbst vorstellen. Die Präsentation der eigenen Person kann allgemein als Selbstvorstellung oder mit einem bestimmten Schwerpunkt, beispielsweise dem bislang größten Erfolg, gefordert sein.

Teilweise stehen bei einem AC aber auch erst die Selbstvorstellung und später zusätzlich eine Präsentationsaufgabe auf dem Programm. Um sich auf die Präsentation vorzubereiten, sollte der Bewerber das Sprechen vor Publikum üben. Auf diese Weise gewinnt er an Sicherheit und kann überprüfen, wie er auf andere wirkt.  

Die Gruppenaufgabe

Für die Gruppenaufgabe bilden mehrere Bewerber eine Gruppe und arbeiten dann gemeinsam an einem Projekt. Bei diesem Projekt kann es sich beispielsweise um die Planung einer Veranstaltung, die Gestaltung eines Werbeprospekts oder die Bearbeitung eines Großauftrags handeln. Welche Rolle der einzelne Bewerber im Team übernimmt, wird nicht vorgegeben. Die Gruppenaufgabe stellt den Teamgeist und die Fähigkeit, sich in einer Gruppe zurechtzufinden, auf den Prüfstand. Außerdem werden Eigenschaften wie Kreativität, Umgangsformen, Durchsetzungsvermögen, Argumentationsstärke und Führungsverhalten beobachtet. 

Anstelle oder zusätzlich zur Gruppenaufgabe kann auch eine Gruppendiskussion vorgesehen sein. Hierbei tauschen sich die Bewerber zu einem vorgegebenen Thema aus. Bei diesem Thema kann es um das Unternehmen oder den künftigen Aufgabenbereich gehen, möglich sind aber auch Diskussionen zu Fragestellungen aus Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft.

In manchen Diskussionen vertritt der Bewerber seine eigene Meinung, in anderen Diskussionsrunden wird ihm eine bestimmte Position zugewiesen und er muss dann in dieser Rolle argumentieren. Generell kommt es bei den Gruppenaufgaben darauf an, die richtige Mischung aus Eingliedern in die Gruppe und Behaupten der eigenen Position zu finden. 

Das Rollenspiel

Bei dieser Übung führt der Bewerber ein Gespräch mit einer Person, die das AC leitet und entsprechend geschult ist. Je nach Job kann das Gespräch beispielsweise ein Konfliktgespräch zwischen einem Vorgesetzten und einem Mitarbeiter oder ein Verkaufsgespräch zwischen dem Verkäufer und einem Kunden sein.

Der Bewerber schlüpft dabei meist in die Rolle des Vorgesetzten oder des Verkäufers, sein Gesprächspartner spielt den Mitarbeiter oder den Kunden. Der Bewerber hat einige Minuten Zeit, um sich auf das Gespräch vorzubereiten. Das Gespräch selbst dauert üblicherweise zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde.

Durch das Rollenspiel soll ermittelt werden, wie kontaktfreudig der Bewerber ist, wie er sich im Umgang mit anderen verhält, ob er auch in schwierigeren Momenten fair und höflich bleibt und ob er seine Position mit guten Argumenten behaupten kann. Im Anschluss an das Rollenspiel findet ein weiteres Gespräch statt, bei dem das Rollenspiel besprochen und ausgewertet wird. Dieses Reflexionsgespräch ist ein Teil der Übung und fließt ebenso in die Bewertung ein wie das eigentliche Rollenspiel.

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